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6. Herbstserenade - 22. September 2001

Tango Projekt 5

Ein außergewöhnlicher Musikabend mit außergewöhnlicher Entstehungsgeschichte: So könnte die diesjährige Herbstserenade im Kellnerhaus am Samstag beschrieben werden. Denn mit der Gruppe "Tango Projekt 5" stellte Werner Männer, Vorsitzender der Mitterteicher Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege, zum einen eine völlig neu entstandene Formation vor. Zum anderen berichtete er, dass die Idee, Werke des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla zu präsentieren, bei einem zufälligen Treffen in einem Supermarkt entstanden sei. "Ich habe Wolfgang Charanza im Topkauf getroffen. Und da machten wir den Auftritt der Gruppe Tango Projekt 5 perfekt."

Dass der moderne, konzertante Tango etwas aus dem Rahmen fällt - Werner Männer: "Wir haben bei unseren Herbstserenaden schon immer etwas Besonderes geboten" - bleibt den Zuhörern nicht verborgen. Obwohl der "Libertango" den bekannten Tangoklängen noch am ähnlichsten ist, erlebt das Publikum gerade bei diesem Stück eine außergewöhnliche Demonstration, was fachlich geschulte Musiker ihren Instrumenten abverlangen können: Die Resonanzkörper von Kontrabass und Gitarre dienen als rhythmische Trommeln - der Tango kommt rüber.

Wolfgang Charanza, am Klavier und ansonsten Organist in Mitterteich sowie Leiter des Kirchenchores Arzberg, fungiert als Moderator. Er stellt die Musiker vor: Bernhard Helmstreit am Kontrabass ist gefragter Bassist in der nördlichen Oberpfalz und Mitglied von "Bluesick" sowie dem Trio "Chefin". Seine Stilrichtungen: Blues, Jazz oder Klassik. Als Dozentin für Violine und Viola arbeitet Johanna Luther an der Franz-Grothe-Musikschule Weiden, Dozent für Gitarre an der selben Schule ist Klaus Luther. Als fünfter im Bunde gehört Janusz Ludwig Skutella dazu, selbstständiger Musiklehrer und Kammermusiker.

"Das hier ist unser musikalischer Jungfernflug, sozusagen die Feuertaufe", erklärt Wolfgang Charanza, bestätigt Werner Männers Story von der Entstehung der Gruppe im Supermarkt und verspricht nicht nur Tango, sondern auch Reggae. Obwohl aus den folgenden Stücken wenig herauszuhören ist von der gewohnten Tangomusik, zeigt sich das Publikum trotzdem - oder gerade deshalb - überzeugt vom Erlebten. Mit "Angel" in drei Sätzen wagt Wolfgang Charanza einen Solo-Höhenflug auf dem Klavier. Das langsame, meditative Stück erzählt die Geschichte eines Engels, seinem Tod und seiner Auferstehung. Wolfgang Charanza widmet "Angel" den Opfern des Terroranschlags in Amerika, was ihm mit Sonderapplaus gedankt wird. Violine, Gitarre und Kontrabass kommen bei "Nightclub 1960" zum Einsatz. Und wieder verblüfft ungewöhnliche Präzision am Instrument: Johanna Luther entlockt ihrer Violioe höchst bizarre Tonfolgen. Ein leises "Bravo" aus den Zuschauerreihen gibt es noch vor einsetzendem, lautstarkem Applaus beim "Otono Porteno", dargeboten von Violine, Cello und Klavier. Hier ist ein Trio am Werk, das sein Handwerk grandios versteht, im Zusammenspiel exquisit in überzeugende Symbiose tritt. Wieder im Fünferteam tritt "Tango Projekt 5" bei den zwei letzten Darbietungen auf. "Fugata" verlangt den Musikern noch einmal Höchstleistungen ab, verspätete Einsätze eines jeden Instrumentes geben dem Stück die besondere Note: "Tango Projekt 5" hat die Feuertaufe bestanden und das Publikum für sich gewonnen.

Nach lang anhaltendem Applaus kommt die freundliche Aufforderung von Werner Männer um eine Zugabe, der die Musiker gerne nachkommen. "Wir spielen ein Stück, das Sie heute schon gehört haben. Und sie dürfen raten", kündigt Wolfgang Charanza schmunzelnd an. "Tango Projekt 5" macht es dem Publikum aber nicht allzu schwer, Stück Nummer eins - das den bekannten Tangorhythmen am ähnlichsten war - kommt ein zweites Mal zum Zuge.

Beim anschließenden Weinabend bleiben Fachgespräche nicht aus - denn was "Tango Projekt 5" geboten hat, war sowohl ungewöhnlich wie auch diskussionswürdig. "Wir wollten das heute erst einmal ausprobieren. Und wir machen damit weiter", berichtet Gitarrist Klaus Luther, wie es mit der Gruppe nach diesem ersten Auftritt jetzt weitergeht. Und der nächste Termin steht schon: Am 19. Oktober präsentiert sich "Tango Projekt 5" um 20 Uhr in Weiden im Alten Rathaus.

Quelle: Rezension von Ulla Baumer in "Aktuelle Oberpfälzer Rundschau", 27. September 2001

 

 

 

 

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